„Most und ich – kein gutes Team“
07. September 2016 Zurück zur Artikelübersicht »

Der Renault Clio Cup Central Europe empfing am letzten Wochenende (2.9. bis 4.9.2016) im Rahmen des Czech Truck Prix seine Teilnehmer zum vorletzten Showdown der Saison im tschechischen Most. Für Simon Reicher, den 16-jährigen Schüler der 6. Klasse am Werkschulheim Gymnasium Felbertal, sollte es ein Wochenende ganz nach seinem Geschmack werden. „Ich liebe Strecken, auf denen ich noch nicht gefahren bin. Es sind tolle Herausforderungen für mich“, sagte Reicher. Doch da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. „Es macht jedoch schon einen Unterschied, ob du eine Strecke schon einmal gefahren bist oder sie nur vom Computer her kennst“, sagte Reicher. Zu seinem großen Erstaunen musste er feststellen, dass das Autodrom Most bei Weitem keine einfache Aufgabe ist. „Alles, was ich im Vorfeld in Videos und Simulationen über die Strecke in Most gesehen habe, hatte nichts mit der Realität zu tun. Mir kam sie wie eine kleine Kartbahn vor. Sehr klein und eng. Und auch die Schikane, sehr schmal. Sehr schwer, da zu überholen oder mit zwei Fahrzeugen gleichzeitig in eine Kurve zu gehen“, erklärte der Youngster.

Bei sommerlichen Temperaturen ging es am Freitag für Reicher und sein Certainty-Team in die ersten drei freien Trainings. Den Rhythmus für die Strecke zu finden, stand oben auf seinem Stundenplan. Platz 11, 10 und 11 waren keine schlechten Ergebnisse für Österreichs jüngsten Tourenwagenfahrer. Auch wenn diese nicht ganz seiner Vorstellung entsprachen. Für das Zeittraining musste er jedoch noch eine Schippe drauflegen. Aber irgendwie schien das Streckenlayout von Most dem Youngster nicht zu schmecken. Trotzdem fuhr er am Samstag im Zeittraining mit Platz 11 und 9 einen beachtlichen Erfolg ein. Im Renault Clio Cup Central Europe werden gemäß Reglement im Zeittraining die beste und die zweitbeste Zeit gewertet. Die beste Zeit gilt dann für die Startaufstellung des ersten Rennens, die zweitbeste für die Startaufstellung des zweiten Rennens. Für Reicher eine tolle Chance auf einen der Top-Ten-Plätze an diesem Wochenende.

„Ich bin mit Most einfach nicht zurechtgekommen. Das übertrug sich auch auf meinen Start, mit dem ich sonst keine Probleme habe“, sagte Reicher. Reifendurchdreher am Start. Keine Chance für ihn, hier Plätze gutzumachen. Dann permanentes Untersteuern auf der Vorderachse. Sein Renault Clio fuhr beim Einlenken geradeaus. „Ich musste immer früher einlenken“, sagte Reicher sichtlich geknickt. Als er dann in der Schikane von einem Mitbewerber etwas unsanft berührt wurde, drehte sich der Clio mit der Startnummer 82 und Reicher durfte dem gesamten Feld hinterherfahren. Nach nur wenigen Runden fand er sich an seiner alten Position wieder. Diesmal jedoch erwischte er in der Schikane einen Mitbewerber und beschädigte sich sein Auto an der Vorderachse, sodass seine Mechaniker nach dem Rennen alle Hände voll zu tun hatten. Reicher beendete das Rennen auf einem beachtlichen 10. Platz. Sein zweites Rennen verlief dann ohne Zwischenfälle. Gestartet auf Platz 9 und auch ins Ziel gekommen auf Platz 9. Damit war ihm ein Top-Ten-Platz sicher. „Ich habe wieder viel gelernt. Und auch wenn mir Most nicht liegt, so werde ich mich auch in Zukunft mit der Strecke auseinandersetzen müssen“, meinte Reicher am Sonntagabend und fügte hinzu: „Ob ich nun eine Rechnung mit Most offen habe? Die Zukunft wird das zeigen.“

Für Rennfahrer ist nach dem Rennen vor dem Rennen. Und so ging es vom tschechischen Autodrom Most am Sonntagabend direkt zum Hockenheimring nach Deutschland. Auf dem in Baden-Württemberg liegenden Hockenheimring findet vom 30.9. bis 2.10.2016 das Saisonfinale des Renault Clio Cups Central Europe statt. Im Rahmen der ADAC GT Masters möchte Simon Reicher hier seine erfolgreiche Saison 2016 mit einem guten Ergebnis abschließen. Training mit keinem Geringeren als dem holländischen Tourenwagen-Weltmeisterschaftsfahrer Jaap van Lagen stand also für diesen Montag auf Reichers To-do-Liste. „Es macht unglaublich viel Spaß, so viel von einem sehr erfahrenen Fahrer zu lernen. Ich konnte seine Trainingseinheiten gut umsetzen und war auf dem Ring von Anfang an sehr schnell unterwegs. Dieser Trainingstag hat mich das verkorkste Most-Wochenende sofort vergessen lassen. Ich kann es gar nicht erwarten, hier auf dieser tollen Strecke an den Start zu gehen“, sagte uns Reicher sichtlich zufrieden.

Das Saisonfinale der ADAC GT Masters wird live bei Sport1, sport1.de und Sport1+ übertragen.

 

profil

Der 23-jährige Simon Reicher ist im Motorsport kein Unbekannter. Seine Karriere begann im Alter von 8 Jahren. Klassisch – auf der Kartbahn. „Ich bin froh im Kartsport, der klassischen Schule des Motorsports, aufgewachsen zu sein.“ Und das mit Erfolg. 2014 gewann das österreichische Motorsport Talent die 43. Trofeo delle Industrie im italienischen Lonato.

Nach seiner aktiven Zeit im Kartsport wechselte der Österreicher 2016 in den Automobil Rennsport. Dort gab er 2016 und 2017 sein Debüt mit dem niederländischen Certainty Racing Team in dem Renault Clio Cup Central Europe und in der TCR Germany. 2018 präsentierte sich er mit dem renommierten YACO Racing Team im Cockpit eines Audi RS 3 LMS bei den ADAC TCR Germany.

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