Simon Reicher: „Ein Wochenende zum Vergessen“
13. Juli 2017 Zurück zur Artikelübersicht »

Simon Reicher wollte am vergangenen Wochenende da weitermachen, wo er vor zwei Wochen im italienischen Monza aufgehört hatte. Dazu reiste er mit insgesamt 35 Mitbewerbern aus elf Nationen zum dritten der insgesamt sieben Rennwochenenden der ADAC TCR Germany, in die Magdeburger Börde. Doch die 3 667 Meter lange Strecke der Motorsport Arena Oschersleben machte es dem 17-jährigen KIrchberger alles andere als einfach.

„Schon am Freitag im ersten freien Training haben wir bemerkt, dass der Audi RS 3 LMS nicht wie gewohnt auf dem Asphalt klebt“, sagte der Youngster. Das sollte sich wie ein roter Faden durch das gesamte Wochenende ziehen. Egal für welche Einstellung sich das Team entschied – die Erkenntnis kam zum Schluss. Auch das zweite freie Training und das für die Strecke von Oschersleben so wichtige Zeittraining, das aufgrund schwieriger Überholmöglichkeiten den gesamten Verlauf des Rennwochenendes entscheidet, brachten den Youngster über einen enttäuschenden vierunddreißigsten Platz nicht hinaus. „Okay, manch ein Rennwochenende verläuft nicht wie geplant und manch ein Rennwochenende verläuft schwierig, jedoch kämpft man sich da oftmals wieder raus und am Ende des Wochenendes kann man sich mit seiner Leistung arrangieren. Doch dieses Wochenende war einfach nur zum Vergessen“, berichtete der Schüler der siebten Klasse des Werkschulheims Felbertal sichtlich ernüchtert. Dabei unternahm das Team alles, um dem jungen Piloten ein schnelles, konkurrenzfähiges Auto hinzustellen. Härte der Dämpfer, Spur, Sturz sowie Anpressdruck des vorderen Splitters und auch der Heckflügel. Alles wurde probiert. „Wir haben das ganze Wochenende im Kreis geschraubt, bis wir am Sonntagnachmittag einen der Parameter gefunden hatten. Einziger Vorteil: Ich habe wieder sehr viel über das Auto und seine Abstimmung gelernt. Lieber wäre es mir allerdings gewesen, diese Erfahrungen an einem normalen Testtag zu machen“, analysierte der Österreicher seine Sicht auf das Geschehen.

In Fakten ausgedrückt erreichte Simon Reicher im ersten freien Training Platz einunddreißig, ließ dann alle Hoffnungen an diesem Wochenende mit Platz sechszehn im zweiten freien Training aufleben, sorgte dann jedoch mit Platz vierunddreißig im Zeittraining für gedrückte Stimmung im Team. „Wenn dein Auto sich nicht so verhält, wie du es gerne hättest, darfst du dich davon nicht verrückt machen lassen. Das würde dir nicht helfen. Im Gegenteil. Es gilt, Ruhe zu bewahren, analytisch alle Parameter und Fakten gemeinsam im Team zu analysieren und konzentriert weiterzuarbeiten“, stellte der sympathische Racer die Fakten zusammen und fügte als leidenschaftlicher Gitarrist mit einem Lächeln im Gesicht hinzu: „Ich lasse morgen beim Guns Nʼ Roses-Konzert in Wien erst einmal den ganzen Frust vom Wochenende raus.“

Nach Einschätzung des Teams kann Reicher jedoch im kommenden Rennen wieder konkurrenzfähig an den Start gehen. Es geht vom 21. bis 23. Juli 2017 ins holländische Zandvoort. Der berühmte Dünenkurs an der Nordseeküste Hollands ist nicht nur die Heimstrecke des Teams um Reicher, hier hat der 17-Jährige bereits die meiste Rennerfahrung sammeln können. Seine letzte positive Bilanz war vor wenigen Wochen der gemeinsame dritte Platz in der TCR Benelux mit seinem Mentor und Trainer Jaap van Lagen. Interessierte können sich die Rennen live auf Sport1 anschauen.

 

profil

Der 23-jährige Simon Reicher ist im Motorsport kein Unbekannter. Seine Karriere begann im Alter von 8 Jahren. Klassisch – auf der Kartbahn. „Ich bin froh im Kartsport, der klassischen Schule des Motorsports, aufgewachsen zu sein.“ Und das mit Erfolg. 2014 gewann das österreichische Motorsport Talent die 43. Trofeo delle Industrie im italienischen Lonato.

Nach seiner aktiven Zeit im Kartsport wechselte der Österreicher 2016 in den Automobil Rennsport. Dort gab er 2016 und 2017 sein Debüt mit dem niederländischen Certainty Racing Team in dem Renault Clio Cup Central Europe und in der TCR Germany. 2018 präsentierte sich er mit dem renommierten YACO Racing Team im Cockpit eines Audi RS 3 LMS bei den ADAC TCR Germany.

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